Berichte und Bildergalerie 2026

Rallye Kempenich stößt bei Traumwetter auf Riesenresonanz

KEMPENICH. Kaiserwetter, Zuschauerrekord und ein Einstand nach Maß bei der 47. Auflage der Rallye Kempenich. Ideale Voraussetzungen für ein traditionelles Motorsportereignis, von dem die Region auch wirtschaftlich profitiert. Ein strahlend blauer Vorfrühlingshimmel lockte jede Menge Besucher an. Selten herrschte beim Start ein derartiges Gedränge im Ortszentrum und rund um die Leyberghalle. Die Helfer hatten alle Hände voll zu tun, um die Masse der Neugierigen in geordnete Bahnen zu lenken. Mächtig im Stress war auch Jessica Nett, die ihre Premiere als Rallye-Organisationsleiterin erlebte und diese Herausforderung bravourös meisterte. Es kam ihr zweifellos zugute, dass sie von ihren Eltern die entsprechenden Gene mit in die Wiege gelegt bekam.

Schon samstags ab 16 Uhr war in Kempenich einiges los. Hubraumzwerge und PS-Riesen gleichermaßen bewegten sich durch die Goldbachstraße zur technischen Abnahme in der Werkstatt der Firma Grones Maschinenbau. Dort bildeten sich Schlangen in Dreier-Reihen, an drei Stellen erfolgten Prüfungen auf Herz und Nieren, vor allem aber im Hinblick auf Sicherheitsaspekte. Sonntags ab 11.31 Uhr wurden 101 Fahrzeuge in die Wertungsprüfungen geschickt. Unter den Fahrern war mit Leonie Walter aus Stuttgart nur eine Frau, die übrigens mit Yannik Widmaier als Copilot nach der sechsten WP das Handtuch werfen musste. Zahlenmäßig besser vertreten waren die Frauen als Beifahrerinnen (39).

Als Erste wurden die Vorjahressieger und Top-Favoriten Dennis Rostek/Stefan Kopczyk im Skoda Fabia RS auf die Reise geschickt. Die amtierenden Sieger der Masters-Wertung innerhalb der Deutschen Rallye-Meisterschaft wollten beim Auftakt der zweiten Liga „den Rost aus den Knochen schütteln“, wie Rostek formulierte. „Ich komme immer gern nach Kempenich, es ist eine sehr anspruchsvolle und richtig gute Rallye in einer Region, in der ich zehn Jahr lang zuhause war. Sie ist perfekt organisiert und hat nur wenig Konkurrenz in Deutschland.“ Auf alle warteten wieder vier verschiedene Wertungsprüfungen, die je zweimal gefahren wurden. Im Unterschied zu den Vorjahren war die WP Kempenich nur ein Start-Ziel-Kurs, sodass das vielköpfige Publikum am Ortsrand die Fahrzeuge nur einmal zu Gesicht bekam. Stattdessen sorgte eine neue Wertungsprüfung, die u.a. durch das Lavawerk der H.W.S Lava GmbH führte, für Furore. Sie wies einen hohen Schotteranteil auf und verlangte damit den Piloten, aber auch den Fahrzeugen einiges ab. Das Ziel der Rallye erreichten von 101 Startern letztlich 66 Teams.

Für die amtierenden DRC Vize-Meister Kevin Müller/Stefanie Spreitzer lag der Auftaktlauf direkt vor der Haustür: „Der Saisonstart mit Heimspiel ist immer schwierig“, formulierte das Duo. Das Duo im Toyota GR Yaris mischt zwar seit Jahren immer in der Cup-Spitze mit, komplett problemlos verlief es bislang jedoch nie. Vor allem in der Heimat. Wieder kam zur Hälfte das vorzeitige Aus. Besser lief es für Colin Dünker (Grafschaft)/Jonas Decker (Nohfelden). Kontinuierlich arbeitete sich das Paar heran ans Spitzenquartett und belegte am Schluss einen hervorragenden vierten Platz. Besser waren nur die Zweitplatzierten Christopher Gerhard (Viersen)/Lena März (Hohenfels-Essingen). Die von ihnen gefahrenen Zeiten reichten noch nicht ganz, um mit dem Konkurrenten Rostek mithalten zu können. Laut Gerhard sucht man beim neuen Citroen C3 Rallye 2 noch nach dem richtigen Set Up. Den dritten Platz im Gesamtklassement erreichte das Team Max Reiter (Dillingen)/ Conny Nemenich (Merchweiler).

Ihre ganze Routine und Ortskenntnis aus zahlreichen Auftritten im oberen Brohltal konnten Udo Schütt (Monschau)/Peter Schaaf (Mayen) ausspielen und belegten einen für sie respektablen neunten Rang. Vier weitere Teams mit regionalem Bezug kamen unter die besten 30 von insgesamt 66 Finishern: Leonard Weiss (Monschau)/Nick Hainke (Oberdürenbach) konnten bei ihrem Rallye-Debüt den Klassensieg einheimsen und erreichten den 16. Platz im Gesamtklassement. Mit einem solchen Erfolg hatten beide nicht gerechnet. Die Freude stand ihnen im Gesicht geschrieben. Man kann davon ausgehen, dass sie auch künftig bei Rallyes am Starte stehen werden. Darius Drzensla (Herrschbroich)/Daniela Raab (Adenau) erzielten Platz 19, Michael Nolte (Willich)/Tamara Zenz (Hausten) Platz 26 und Toni Kluth (Alfter)/Patrick Buhr (Volkesfeld) Platz 28. Dem Feld derjenigen, die aus unterschiedlichen Gründen die Ziellinie nicht überquerten, gehörten auch die für den MSC Adenau startenden und aus Andernach stammenden Christian Kohlhaas und Stefan Marx an.

Rallye aus Sicht von Orga-Leiterin Jessica Nett

„Leitstelle für 00 – WP 2 in Ordnung, staubt gut ab“ Diese Aussage des Fahrers unseres Vorauswagens mit der Startnummer 00, der traditionell vor allen Teilnehmern die Strecke abfährt, sorgte beim Organisationsteam der Rallye Kempenich für große Erleichterung: Die Wertungsprüfung konnte wie geplant gefahren werden. Doch der lange Weg dorthin begann bereits zwei Tage zuvor.

In den Tagen vor der Veranstaltung liefen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Besonders im Fokus stand die neue Wertungsprüfung in Bell, die durch das Lavawerk der H.W.S. Lava GmbH führte und damit einen ungewöhnlich hohen Schotteranteil aufwies. Genau diese Besonderheit bereitete uns allerdings zunächst Sorgen. Am Freitag erreichte uns eine Meldung des Leiters der Streckensicherung, die für Unruhe sorgte: Es sei extrem staubig, die Sicht teilweise stark eingeschränkt, und der Staub ziehe kaum ab. Die Trockenheit der vergangenen Woche hatte der Strecke deutlich zugesetzt. Was zwei Wochen zuvor noch durch Schnee und Regen matschig gewesen war, hatte sich inzwischen in eine dicke Staubschicht verwandelt, die beim Befahren des Asphalts massive Staubwolken verursachte, die durch wenig Wind kaum abzogen.

Schnell wurde klar: So konnte es nicht bleiben. Die Telefone liefen heiß, mögliche Helfer wurden kontaktiert und parallel ein Plan B entwickelt. Zunächst entschieden wir uns, den groben Staub von der Strecke zu fegen und die Situation anschließend neu zu bewerten. Doch als am nächsten Tag der Aufbau der Wertungsprüfung begann, zeigte sich rasch, dass eine einmalige Reinigung nicht ausreichen würde. Für das Organisationsteam bedeutete das: Vorsorgen. Gemeinsam mit dem Rallyeleiter überlegten wir was zu tun ist, damit die WP trotz hoher Staubentwicklung befahren werden kann.

Die erlösende Nachricht kam schließlich am Veranstaltungstag selbst. Als der Vorauswagen die Strecke kontrollierte, meldete sich der Fahrer über Funk: „Leitstelle für 00 – WP 2 in Ordnung, staubt gut ab.“ Kurz darauf konnte die Wertungsprüfung planmäßig gestartet werden. Für das gesamte Organisationsteam war diese Rückmeldung Balsam für die Seele – wieder eine Herausforderung gemeistert. Möglich war uns dies jedoch nur durch die Unterstützung der Gemeinde Kempenich, die uns Gemeindearbeiter und Kehrmaschine zur Verfügung stellten. Gerade solche Momente zeigen, wie wichtig die enge Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb des Vereins ist, denn ohne dies wäre eine erfolgreiche Veranstaltung für uns nicht zu stemmen.

Dass dies auch in diesem Jahr gelungen ist, bestätigte nicht zuletzt Gesamtsieger Dennis Rostek, der die neue Wertungsprüfung besonders hervorhob: „Die WP im Steinbruch war herausragend für eine Rallye 70. Da gibt es aus meiner Sicht nicht viel Konkurrenz, die eine so tolle Rallye auf die Beine stellt.“ Für uns ganz klar: Die Arbeit im Vorfeld hatte sich gelohnt! Mit insgesamt 101 Startern präsentierte sich die Rallye Kempenich auch in diesem Jahr mit einem hervorragend besetzten Teilnehmerfeld. Fahrerinnen und Fahrer aus dem Deutschen Rallye Cup, der Deutschen Rallye-Meisterschaft sowie der Youngtimer Rallye Trophy stellten sich den insgesamt 70 Wertungsprüfungskilometern, die durch die Ortschaften Weibern, Hausten, Bell, Kempenich/Engeln, Hannebach, Wollscheid und Heulingshof führten. Am Ende schafften es 66 ins Ziel. Der MSC Kempenich bedankt sich herzlich bei allen beteiligten Gemeinden und Anwohnern für die Unterstützung und die Genehmigung unserer Veranstaltung. Ohne dieses Vertrauen wäre eine Rallye in dieser Form nicht möglich.

 

Bildzeilen

  1. In Dreierreihen standen die Autos zur technischen Abnahme an.
  2. Die Wartezeit wurde dazu genutzt, die verlangten Aufkleber anzubringen.
  3. Sehr aufwändig ausgestattet sind die Autos, wie der Blick von hinten zeigt.
  4. Von Sachverständigen wurden die Rallye-Fahrzeuge auf Herz und Nieren geprüft.
  5. Die Transporter der Rallye-Teams werden immer größer und komfortabler.
  6. Beim Start war einiges los im Ortszentrum von Kempenich.
  7. Beim Start des Siegerautos mit dabei die MSC-Verantwortlichen Jessica Nett, Wolfgang Müller und Sprecher Ralf Caspers (von links).
  8. Am Ortsrand von Kempenich beobachteten viele Zuschauer das Geschehen und sahen dabei das spätere Gewinner-Duo
  9. die Viertplatzierten Dünker/Decker
  10. Lokalmatador Kevin Müller, der zur Halbzeit passen musste,
  11. sowie die Routiniers Schütt/Schaaf.
   (Fotos: Hans-Josef Schneider)

 

 

  1. Wolfgang Müller dankt dem ehem. Orga-Leiter Berthold Hantel, der das neue Orga-Team, mit Jessica Nett (von links) an der Spitze bei den Vorbereitungen für ihre Feuertaufe begleitete.
  2. Im Bild von links: Andreas Molitor, Hauptsponsor Autohaus Kempen, Matthias Koslowski für die Gemeinde Kempenich, Jessica Nett (Orga-Leitung), Team Max Reiter/Conny Nemenich (3. Platz), Stefan Kopzyk als Beifahrer für das Gesamtsieger-Team mit Fahrer Dennis Rostek und Team Christopher Gerhard/Lena März (2. Platz).
Fotos: Birgit Nett

 

 

 

Externer Bericht SRSmotorsport.de:

https://www.srsonline.de/news/bericht-zur-47-rallye-kempenich